Wir werden eingeladen und verbringen 2 unvergessliche Abende mit den “Fahrradfans”.

Nach unserer kleinen aber feinen (Rad -) Auszeit auf den beiden Inseln Koh Phangan und Koh Tao im Golf von Thailand kommen wir, nach eine kurzen Überfahrt mit der Fähre, wieder sicher auf dem Festland des Königreiches an. Unser nächstes Ziel liegt noch weiter im Süden Asiens – Malaysia wir kommen! Zurück auf der Strecke wird uns schnell klar, dass wir rein wettertechnisch auf den Inseln 12 Tage lang extremes Glück hatten – die Regenzeit hatte wohl nur eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Zwar sind die heftigen Regenschauer immer nur kurz und maximal 3-4 Mal am Tag, bei den Temperaturen eigentlich ganz gut auszuhalten. Doch die Feuchtigkeit schleicht sich ins Equipment, zerrt an unseren Nerven, macht alles klamm und klebrig und fordert außerdem auf den rutschigen Straßen noch eine Portion mehr Konzentration und Achtsamkeit. Die Nächte im Zelt sind kaum auszuhalten- die Luft steht, die Moskitos sind ausgehungert und wir ein gefundenes Fressen für die Biester, zudem bringt uns die schwüle Luft beinahe um den Schlaf. Gerade in solchen Abschnitten zweifelst du an deinem Unterfangen und lässt dich von der heimischen Komfortzone träumen- just in solchen Momenten kommt das Glück um die Ecke gehuscht. In unserem Fall in Form der drei rüstigen thailändischen Rentner, namentlich Kormit, Wuat und Pab.

Die Gastfreundschaft der Männer ist riesig. In diese Unterkunft werden wir eingeladen.

Die 3 fangen uns direkt auf der Piste ab und trauen bei unserer Geschichte ihren Ohren und Augen kaum, Minuten später stehen wir vor einem Luxushotel. Wir checken für 2 Nächte im „Greenhouse Resort“ ein, die Rechnung wird von den Herren getragen und wir können es kaum glauben – eine weiche Matratze und ein kühler Raum ohne Moskitos- was für ein Glück. Die drei Kumpels sind Fahrradliebhaber der ganz besonderen Sorte, denn Minuten später finden wir uns auf der Veranda von weiteren Freunden wieder. Historische Fahrräder sind die ganz große Leidenschaft der Herren und das Thema des Abends. Geschichten werden erzählt, Bier nachgeschenkt, Essen aufgetischt und Pläne geschmiedet. In einem dieser  Pläne sind Nico und ich ein elementarer Bestandteil: bierselig lassen wir uns breitschlagen und sagen zu, an einem kleinen Fahrradausflug am nächsten Morgen teilzunehmen.

Wir machen ein Fahrradausflug ohne Gepäck -was ein ungewohntes Gefühl.

Tja, mitgehangen, mitgefangen! Pünktlich um 7 Uhr am nächsten Morgen steht die komplette Mannschaft startklar vor unserem Zimmer und will los- jetzt und sofort. Nico und ich bekommen die Augen kaum auf und verlassen die butterweiche Matratze nur ungern. Geschlagene 8 Stunden (!!!) strampeln wir Berge rauf und runter- hätte es ein Ausflug zum Strand nicht auch getan? Was wir allerdings zugeben müssen: die Jungs kennen wirklich schöne Ecken und das Hinterland Thailands hat hier im Süden viele schöne Highlights-  Wasserfälle, Flüsse, Palmwälder und einsame Straßen begleiten uns den ganzen Tag. Nach einer weiteren, etwas weniger ausschweifenden Party, verabschieden wir uns von unseren Rentnern und ziehen auf unseren Rädern alleine weiter. Zweifellos eine Begegnung, welche uns lange in Erinnerung bleiben wird. Jeder Tag, jede Entscheidung lenkt uns neu, bringt uns zu anderen Orten, schreibt neue Geschichten und, öffnet neue Blickwinkel und verschiebt Horizonte.

Wir werden auf ein Eis eingeladen. Die Eiswaffel ist mit Milchreis gefüllt.

Je südlicher wir in Thailand kommen, desto muslimischer wird es – auch dies ist für uns eine überraschende, neue Erkenntnis. Moscheen wechseln sich mit buddhistischen Tempeln ab, Mönche ziehen bettelnd durch die Straßen und ein paar Blöcke weiter predigt lautstark der Imam von seinem Minarett. Überrascht sind wir auch von den unzähligen Garküchen in Thailand, selbst in den hintersten Ecken wird gegart und gebrutzelt, da lassen selbst wir Mal die Pasta und den Kocher eingepackt und schlemmen wie die Königskinder.

Wir übernachten im Unterrichtszimmer des buddhistischen Tempels.

Am 29. November sind wir genau 7 Monate unterwegs und nur noch wenige Kilometer von der malaysischen Grenze entfernt. Spontan stoppen wir kurz vor Sonnenuntergang an einem Tempel und gehen neugierig auf die Mönche zu. So kommt es, dass wir in der Klosterschule zwischen Tafel und Lehrerpult übernachten dürfen. Mit den Mönchen verbringen wir den Abend größtenteils schweigend, die Ruhe und Gelassenheit tut gut. Geweckt werden wir vom Gebell der Klosterhunde und dem Krähen und Gackern der Hähne und Hennen. Danach gibt es Frühstück – schweigend natürlich. Und nochmal: Man weiß einfach nie, was kommt. Braucht man wirklich noch weitere Gründe für solch ein Abenteuer?

Am (vorerst) letzten Tag in Thailand stolpern wir eher zufällig über einen gigantischen Fischmarkt, etwas später über einen exotischen „Floating Market“ und die abschließende Massage ist nach 1049 Kilometer im Land gleichzeitig der Abschied von Thailand. Wir sehen uns schon bald wieder, versprochen.

Malaysia. Das Land Nr. 16 auf der Tour nach Tokio.

Innerhalb von Sekunden fertigen uns die Grenzbeamten auf beiden Seiten der Grenze ab, so schnell haben wir wohl selten eine Grenze außerhalb Europas passieren dürfen. „Welcome to Malaysia“ heißt uns ein fröhlicher Beamter willkommen. Schnell passen wir die Uhren der neuen Zeitzone an, wechseln Geld und heißen das muslimische Land auch von unserer Seite aus herzlich willkommen. Unser Reiseland Nr. 16 macht vom ersten Meter an einen sehr stark befahrenen Eindruck. Das Statussymbol Auto hat hier, wie leider auch in vielen weiteren Ländern unserer Erde, einen extrem hohen Stellenwert. Allerdings erfahren wir während unserer ersten Zeltnacht auf malaiischen Boden, dass das ruhige Thailand laut Statistik das Land mit den meisten Verkehrstoten je 100.000 Einwohner der Welt sein soll, dies verwundert uns sehr – Gott sei Dank erfährt man manche Dinge erst im Nachhinein – wir setzen auf’ s Fahrrad. Weiterhin herrscht Linksverkehr, Englisch ist Amtssprache, viele kleine und große Details deuten nach wie vor darauf hin, dass Malaysia einst eine Kolonie der Portugiesen, später der Niederländer und am Ende der Briten war. Das Land ist nicht nur für seine Strände und Regenwälder bekannt, sondern eben auch für die vielfältigen malaiischen, europäischen, indischen und chinesischen Einflüsse.

Die Grenze thailändisch-malaiische Grenze liegt mittig zwischen dem Golf von Thailand und dem Indischen Ozean, innerhalb von 2 Tagen legen wir die Strecke vom Golf an den Ozean auf unseren Velotraum-Rädern zurück und finden eine neue Trauminsel: Langkawi Island. 

Wir zelten am Strand und geniessen die Einsamkeit und Ruhe.

Vier Nächte zelten wir wild und autark auf der Insel und kommen uns dabei vor, wie Robinson Crusoe und sein treuer Freund Freitag persönlich. Die Zeltplätze sind das reinste Tausend-Sterne-Hotel unter Palmen, unsere Lagerfeuer könnten jeden Leuchtturm ersetzen, die Buchten sind malerisch, das Wasser kristallklar, kein Straßenlärm dringt zu uns und Menschen verirren sich kaum an unsere Plätze. Wir fühlen uns wild und frei – anscheinend sehen wir aber inzwischen auch etwas abenteuerlicher aus. Hier und da hören wir Vergleiche zum sagenumwobenen Yeti, zu Reinhold Messner und Jesus Christus persönlich – letztere passt zumindest wunderbar in die Vorweihnachtszeit.

Weihnachtsmarkt in Malaysia? Wir trauen unseren Augen und Ohren nicht.

Angekommen in George Town holt uns Weihnachten kurz vor dem 2. Advent gnadenlos ein, der reine Zufall leitet uns auf einen Weihnachtsmarkt der anderen Dimension. Der Evergreen „Jingle-Bells“ trällert aus den Boxen, Kunstschnee rieselt bei 32 Grad auf uns nieder, Weihnachtsgebäck wird angeboten, Mistel- und Tannenzweige schmücken die kleinen Hütten, wenig traditioneller Weihnachtskitsch liegt aus und unsere Augen hyperventilieren beinahe vor Blinklichtern und ungläubigen Kopfschütteln. Waren wir ein paar Tage zuvor wirklich noch an einem einsamen und ruhigen Strand?

Wer von euch nicht weiß, wohin mit seinem Weihnachtsgeld, wer keinen Kitsch kaufen möchte und nicht in überteuerten Glühwein investieren will, ist hiermit herzlich eingeladen uns, die Pasta-Gorillas, mit einer kleinen Spende zu unterstützen: 

Paypal: julian.schmieder@gmx.de
oder
Nicolas Schmieder
IBAN: DE81 6415 0020 0002 8762 87
BIC: SOLADES1TUB
Vielen lieben Dank!

Kunst an vielen Ecken – George Town ist eine bunte Stadt.

George Town hat aber weit mehr zu bieten, wie zweifelhafte Weihnachtsmärkte. Straßenkunst, welche den Namen wirklich verdient, verteilt sich im ganzen Stadtgebiet und lässt uns, wie bei einer Schnitzeljagd, durch die Gassen ziehen – und wir werden hinter jeder 2. Ecke fündig. 2012 schuf der litauische Künstler Ernest Zacharevic einige der bekanntesten Motive und es werden jährlich mehr, ein wirklich lohnenswerter Stopp.

Bei der Feuerwehr finden wir einen trockenen Schlafplatz.

Weiterhin sucht uns auch in Malaysia regelmäßig der Regen heim, gerade am frühen Abend und in der Nacht schüttet es, wie aus Eimern und Donner und Blitz steigern sich in wenigen Minuten zu einem ohrenbetäubendes Gewitter. Wie Maria und Josef vor gut 2019 Jahren klopfen auch wir mit unseren (Draht)-Eseln an diversen Türen, um einen Unterschlupf für die Nacht zu bekommen. Unsere bevorzugten Anlaufstellen sind Feuerwehr- und Polizeistationen und die Trefferquote ist enorm hoch. Mal zelten wir im Vorgarten der Polizei, mal dürfen wir bei der Feuerwehr auf dem Boden schlafen oder wir bekommen den „Schlauchturm“ zugewiesen, irgendwas findet sich immer und die Damen und Herren sind enorm hilfsbereit. Gerade die Feuerwehren sind unglaublich neugierig und möchten alles über unsere Reise wissen. Im Gegenzug zeigen sie uns ihre Gerätschaften und so wir dürfen selbst am morgendlichen Appell samt malaiischen Nationalhymne teilnehmen- Integration auf asiatisch.

Wir trainieren Bogenschießen auf dem Weg zu Olympia 2020 in Tokio.

Am Tag 226 bzw. am Dienstag, den 10 Dezember, machen wir nicht nur unsere 12.000 Kilometer voll, sondern feiern Halbzeit was die Reisetage anbelangt. Die Olympischen Spiele werden in 226 Tage anfangen, wir sind voll im Plan und guter Dinge rechtzeitig vor Ort zu sein. Falls noch irgendwo ein Ersatzmann gesucht wird: in den letzten Tagen haben wir uns im Kanufahren und im Bogenschießen probiert und würden getreu dem olympischen Motto „Dabei sein ist alles“ für jegliche Nation in diversen Sportarten einspringen. Wer von Euch auch in Tokio dabei sein möchte, hier gibt’s Tickets auf der Webseite von DER Touristik.

Die Hauptstadt von Malaysia, Kuala Lumpur, lassen wir links liegen und fahren weiträumig an der Metropole vorbei – man muss sich als Radfahrer nicht jedem Stress aussetzen. Da bleiben wir lieber in der Natur und schauen den echten Affen beim Hüpfen zu – menschliche Primaten kreuzen wieder früh genug unsere Wege.

Weihnachten wollen wir im knapp 400 Kilometer entfernten Singapur verbringen. Am 27. Dezember geht es schließlich nach Neuseeland- neue Abenteuer und vermutlich viele Schafe warten auf uns – oder etwa doch der Yeti mit Reinhold Messner im Schlepptau?

Euch weiterhin eine friedliche und besinnliche Weihnachtszeit.

Eure Pasta-Gorillas,

Julian und Nico

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.